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Ankommen in Afrika

Am wenige Minuten alten Freitagmorgen des 30.01.09 berühre ich das erste mal in diesem Leben afrikanischen Boden. Uganda

Back in Mama Afrika, where everything began...

„I like your hair!“ sagt die Frau, die am Schalter steht, bei dem ich das Migrationsheet, das ich zuvor im Flugzeug ausgefüllt habe abgibt.

Meine Gepäck landet wie geplant mit mir zusammen. Und entgegen ernster Befürchtung geht es meiner Trompete so gut, wie beim Abflug. Ich werde von einem „Special Hire“ abgeholt. Der Fahrer hat ein Schild auf dem „JAN STOBER“ steht . Er steht wegen meiner Verspätung wohl schon etwas länger am Flughafen.


Es ist schwül warm und es fliegen ein paar Moskitos herum.


Im schon etwas älteren Auto geht es, ganz ungewohnt als Beifahrer sowohl auf der linken Seite des Vehikels, als auch der Straße ( im ehemals englischen Protektorat Uganda herrscht Linksverkehr) nach Kampala.

Es ist richtig grün. Die Straßen sind gesäumt mit Banaenstauden, anderen Pflanzen, die ich nicht kenne und diversen Gebäuden. Von der Bretterbude mit Wellblechdach bis zum, wenn auch einstöckigen und rosa gestrichenen Betongklotz. Eins aber bleibt aber auf den 50 Km Weg gleich. Die Anzahl der Menschen, die hier entlang der Straßen aufhält oder irgendwohin unterwegs ist.


Beim „Red Chilli Hideaway“ werde ich wohl schon erwartet. Ein Angestellter hatte ebenfalls einen Zettel mit meinem Namen in der Hand. Und führt mich zu meinem Zimmer.

Es trägt den Namen Medusa...

Und beinhaltet nebst zwei Betten, Regal und Ventilator ein Mückennetz, eine Glüchbirne, Frische Bettlaken und eine Wolldecke. Also alles da.

Ich frage nach etwas zu Essen, aber die Küche hat schon zu. Also schlafe ich in meiner ersten Nacht auf Afrikanischen Boden hungrig ein... irgendwie ganz fair, finde ich.


Das Red Chilli ist nicht ein großer Kasten mit einer Rezeption, wo eine Menge Schlüssel an der Rückwand hängen, sondern mehr eine Ansammlung von Bungalows, in denen man einzelne Zimmer oder Wohungen mieten kann. Es stehen auch öfters rosa „Overland“ Busse rum, die sind doppelstöckig. Das obere Stockwerk ist offen und drinnen hängen Hängematten. Draußen stehen Campingbesteck und -mobiliar und ein paar irgendwie erschöpft aber freakig aussehende Mzungus erhohlen sich wohl von der letzten Nacht.


Nach dem Frühstück – es ist 13 Uhr - Reis, Tomatenmatsche und Fisch

( Ja Fisch. Ich habe beschossen mein Vegetariersein hier bis auf weiteres auszusetzen, einfach um einen kompletten Eindruck von Uganda zu bekommen)

und einem zweiten Nickerchen mache ich mich mit dem Taxi auf nach Bugolobi, mir am nächsten liegenden Stadtteil in Kampala.


Taxi oder Matatu heißen die Kleinbusse, die einen wohl überall hinbringen. Ich unternehme also meinen ersten Ausflug in das Afrikanische Leben.


Es würde Jahre dauern um all die Eindrücke des folgenden Abends zu beschreiben.


Menschen

Zu Fuß am Rand der Straße auf dem Weg irgendwo hin. Sandalen, nackte Füße, schwarze Polierte Lederschuhe. Hemden, Anzughosen, Rufe, Blicke


Die Straßen sind schlecht und staubig, und neben den Straßen, sind einfach unglaublich viele Buden, Shops, bei denen man irgendwas kaufen lann.

Meistens was gegrilltes, Stifte und Papier (weil gerade Schulbeginn ist) oder Airtime. Also Handy guthaben.


„Mzungu“

Ich höre das Wort, das mich wohl bis zum Ende dieser Reise (in einem weißhäutigen Körper) begleiten wird zum ersten mal bewusst von einem Security Guard, der in schicker Uniform, mit Sonnenbrille und einer Pumpgun auf dem Knie, recht legère vor seiner Arbeitsstelle, einer Bank mit Geldautomaten, auf einem Plastikstuhl sitzt.

Wo ich herkäme, was ich tuen würde, wie es dort wär, wie lange ich bliebe?

„how is Uganda?“


Ich flüchte mich nachdem mir ein junger Mann, der „Freunde sehr sehr gern hat“, wie er beteuert und mich recht lange begleitet zurück ins „Red Chilly Hideaway“.

Eine halbe Stunde später kommt mein Betreuer von EIRENE, und wir essen, erzählen, und fahren schließlich mit einem Boda nach Bugolobi.

„Boda-Boda will kill you“

Die Worte meines „Special Hire“ Fahrers vom Vorabend sind mir noch recht gut im Gedächtnis.

Das Wort kommt vom Englischen Wort Border (Ein kleines Appetithäppchen des ugandischen Englisch). In der Kombination Boda-Boda heißt es soviel, dass man damit von Grenze zu Grenze und auch mal in nicht ganz lauterer Absicht übner diese hinweg fahren kann.

Es handelt sich bei Bodas oder Boda-Bodas um Motorradtaxis die sich in zielstrebigen aber oftmals in mehr oder weniger lebensmüden Manövern durch den ohnehin recht sparsam geregelten Verkehr schlängeln. Helme sind Ausnahme, mehr als einen Mitfahrer zu haben jedoch nicht.


Und so auch bei mir. Zu dritt auf so einem Ding, durch Linksverkehr über doch recht alte, staubige Straßen und immer wieder an Autos, Matatus, LKW und andern Bodas vorbei bei deren Fahrern das Wort „Katalysator“ oder „Feistaubfilter“ in meiner Vorstellung höchstens ein ungläubiges oder bedauernd mitleidiges Stirnrunzeln herrvorrufen würde.


„How is Uganda?“


Übervoll dunkel duftend grün dreckig staubig schwarz bunt versmogt handgemacht erdnah ursprünglich

anders


„denke“ ich als ich nach einem Abendessen, (Fleisch, Cassava, Paprika, Tomaten, Fritten) und einem Club Besuch im Mzungu-Palce-to-be „Bubbles“ unter einem Laken liege, dass durch seine Leichtigkeit nicht die Eigenschaften zum drunter verstecken besitzt.


Am nächsten Mittag geht es mit nach langem Schlaf mit meinem kopletten Gepäck nach Jinja.

Ich sitze im voll besetzen Matatu in die Innenstadt von Kampala in der zweiten Reihe, stoße mir Kopf und Knie, gucke raus und denke mir

„Ist ja cool, ich bin in Afrika“


Bei allen weiteren Schritten werde ich von meinen beiden EIRENE Begleitern schön ans Händchen genommen. Erst kaufe ich ein Handy (mit eingebauter Taschenlampe. Sehr nützlich bei Powercuts) und Wasser, dann geht es zum Taxipark.


Das kann man nicht beschreiben, ich neige dazu schon bevor ich damit beginne zu kapitulieren.

Aber einen Versuch ist es wert.


Der Taxipark liegt in einer Senke, einem Tal, einfach dem „tiefsten Punkt“ von Kampala, wi emir schient.

Auf dem Weg zum Taxipark, wie im übrigen Kampala wohl auch, sind die Bürgersteige durch sporadische Bepflasterung holperig, es ragen überall viel zu hohe Bordsteine heraus, dazwischen Pfützen, in denen so ziemlich alles zu schwimmen scheint, was so runterfallen und vermodern kann.

Ich schwitze, denn ich trage den altbewährten Reiserucksack meiner Patentante und eine Umhängetasche, sowie Blasen an den Füßen. Meine Trompete wird zum Glück von Joss, einem Ex EIRENI getragen.

Wir gehen bergab, immer weiter bergab in die Stadt hinein.

Es ist Laut, Dreckig, schwül und Voll.

Auf einmal kann man zwischen zwei Buden auf der Linken Seite den Taxipark für Matatus erkennen. Sie stehen da dicht an dicht in mehreren Reihen hintereinander auf einem großen Platz.


Aber wir gehen weiter, das ist noch nicht das Ziel. Wir suchen den Platz für die Busse. Große Reisebusse. Immer tiefer und tiefer. Smog, Touristenläden, die Häuser ragen höher auf, die Dichte der Menschenmenge, die Wärme, Schwüle, Schwere der Luft, nimmt mit jedem Schritt hinunter zu.


Und dann stehen ich mitten im Buspark.

Die Lautstärke, die Wärme, der Geruch, dieses Gefühl „Mensch“ erreichen seinen Höhepunkt dort, wo die Athmosphäre den klebrigste, dichtesten, tiefsten Punkt zu erreichen Scheint, der in Kampala möglich ist.


10.000 Ush sollen mich aus diesem übervollen Maß an „Mensch“, was über mir zusammenschwappt in einem hoffnungslos überfüllten, scheppernden, Bus in die Heimat für mein enächsten 14 Monat ebringen. Der Preis ist mehr als unverschämt, aber der „Conducter“ unerweichlich.

Mein begleiter feilscht, fragt rum, ich laufe hinterher, dränge mich zwischen Menschen durch, die scheinbar alle wollen, das ich in ihren Bus einsteige.

Dann drückt er mir Geld in die Hand, ich steige in einen Bus ein und sitze.


Vier Stunden später, nach einem wegen zwischenzeitlichem Aufenthalt an einer Polizeistation, nachdem wir einem andern Auto die Sietentür eingeblötscht haben, sehr ausführlichen aber unglaublich informativen Gespräch, steh eich am Roundabout in Njeru, der Stadt, die auf der anderen Nilseite, gegenüber von Jinja liegt.


Ich setze mich auf einen Bordstein und nach etwas Fünf minuten holt mich Jürgen ab. Fleischspieß, ein halbes Nile Special, eine Bodafahrt im Dunklen über den Nil und ich komme an dem Ort an, den ich für die nächsten Monate mein zuhause nennen werde.


Jinja (Djinja)

Muvule Crescent (Mwule Creschnt)

Ecke Waibale Road (Waibaale Rood)


18.2.09 16:25
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(18.2.09 19:09)
So, genau so, hat es auch die Vorbesitzerin Deines Rucksacks erlebt, wie Du an meinem Reisebericht sicher erkenne kannst. Ich meine, alles mit Dir erleben zu koennen


Maltiti (18.2.09 22:06)
Wahnsinn! Manches erkenne ich wieder und ich kann mir die "How is Uganda"-fragen und den Straßenverkehr und den Conductor(steht da auch über dem ersten Sitz immer mit Filzer Conductor's Seat?) lebhaft vorstellen. Respekt dass du so lange aufnahmefähig geblieben bist und nicht direkt völlig erschlagen wurdest. Take care!

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