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Reizueberflutung

Leider ist der einleitende Artikel zum CRO noch nicht fertig, weil ich allen Interessierten aber etwas zu lesen geben möchte kommt jetzt erstmal die Reizüberflutung. Dies ist eine Schilderung dunkler Eindrücke. Bitte nicht verzweifeln liebe/r Leser/in. Ich möchte deutlich machen, dass das hier kein komplettes Bild meines Lebens, Ugandas, oder Jinjas ist. Es ist eine Facette, eine die ich nicht unbeschrieben lassen möchte.

Masese III. Rote Lehmhütten an einem Hang. Wir kommen mit einem Geländewagen einer britischen Mzungu an. So ziemlich jedes zweite Straßenkind aus Jinja kommt von hier, oder landet hier, glaube ich. Lehmhütten, Feuer, Bohnen, Ruß, nackte Füße, alte Hände sortieren Bohnen, alte Frauen lächeln knitterig zum mir hoch. Ich lege die Linke Hand beim ergreifen ihrer rechten mit meiner an meinen rechten Elbogen, als Zeichen des Respekts. Junge Mädchen sortieren mit Bohnen. Vielleicht so alt wie ich, amnche jünger. Kein Geld für Schule und auch eigentlich auch keins für Kinder. Eigentlich.

Kinder. Wir, das heißt eine Frau und zwei Männer aus dem CRO, die Mzungu sind innerhalb von fünf Minuten mit einer Anzahl von Kindern umgeben, die in Deutschland bestimmt zwei Kindergartengruppen füllen würde, um optimale erzeiherische Versorgung zu gewährleisten.Si everfolgen uns überall hin verfolgt. Sie berühren mich ganz kurz mit der Hand, klopfen gegen meine Umhängetasche. Nackte Füße, Schmutzige Gesichter, kleine Streitereien, große, wach einteresseirte Augen. Kleine Hände greifen nach meinen großen.

Mir kommen die Worte einer Freundin, die auch eine EIRENE Freiwillige ist in den Kopf.

„Ihr sein ja süß. Aber ihr seid zu viele!"

Die Schnapsbrennerei. „Very local", wie mir versichert wird. Ich sehe alte Ölfässer, Feuer, Dämpfe, Wärme. In schlangen gebogene dünne rohre, wohl improvisierte Destillen. Rostbraune Flüßigkeit schießt aus dem erhitzten Ölfas in den Dreck. Ich hoffe, dass das die Kühlflüssigkeit ist, denn trinkbar sieht es nicht aus.

Hier in der Brennerei schwitzen die Männer bei der Arbeit.

„The main activity of the men here in Masese is taking alcohol"

 

AIDS, häußliche Gewalt, Vergewaltigungen, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit.

Die Armut, die krasse, krasse Armut, unser übermäßiger Reichtum. Der Reichtum unserer Länder, unserer Staaten, und diese Armut hier. Uganda war die Kornkammer Ostafrikas. Ein fruchtbare Land. Eigentlich müsste niemand verhungern.

Ich frage mich, ob es diese „Bonlieu Situation" schon vor der Ankunft unserer Kultur in Afrika gab.

Ob es soetwas, wie die Masese III community schon vor den Engländern gab.

Die Frauen arbeiten, die Frauen bekommen und erziehen die Kinder. Arbeiten, putzen, die Männer trinken... Wir sind hier um den Womenclub zu besuchen. Da treffen sich Frauen, die meisten sind bestimmt schon Großmütter in der Primary School der Masese community. Heute unter einem Baum in der community. Die Frauen fädeln Perlen auf, um Halsketten zu machen. Die Frauen, machen Bussines um die Familien zu ernähren. Jeder von uns besuchern soll ein Grußwort sprechen. Die Brittin dankt für den Einsatz für die Familien, zeigt Respekt für die Arbeit. Ich weiß garnicht,w as ich sagen soll. Einer vom CRO beginnt zu predigen. Auf Englisch. Er wird sofort von einem anderen nach Lusoga übersetzt. Die Frauen hören ganz aktiv zu. Rufen dazwischen, antworten mit den richtigen Worten, Enthusiasmus und Freude kommt auf. Ich habe ja mene Probleme mit dem glauben hier. Aber in dem Moment sehe ich, wie er funktionieren kann. Hoffnung.

 

Jinja, Markt und Gassen einen Block von der Hauptstraße entfernt:

Die Einfachheit, das Hand aufhalten, die Sprache, der Schmutz, der Gestank von Müllcontainern und der Anblick von Jungs im Alter zwischen 8 und 25, die darum herumsitzen und irgendwas in alten Farbeimern kochen. Die Rufe, die Aufmerksamkeit.

Ein Mzungu ist interessant, ein Mzungu mit Dreadlocks ist noch interessanter, aber ich glaube es gibt nur wenige Dinge, die so interessant sind, wei ein 2 Meter Mzungu mit Dreads und Gitarre auf dem Rücken, der ein Inderfahrrad fährt. Manchmal meiden ich die Hauptstraße. Ich meide den Markt unbewusst. Kann mich nicht erinnern, wann ich das letzt mal außerhalb der Arbeit da war.

Rufe:

„Obamas Friend, American height, my friend, gwe! (du!), immer wieder mzungu, you come, come come come, give me, where do you come from, how is your life..."

Und was soll ich DArauf antworten?

Ich werde, wenn die Statistik auf mich zutrifft in einem Krankenhaus am Tropf sterben angeschlossen an Maschinen, die einen Großteil meiner Körperfunktionen übernehmen, weil mein Land das Geld dazu hat ein Gesundheitssystem zu unterhalten, das so gut wie jedem Bürger medizinische Versorgung auf dem höchsten Stand der aktuellen technischen (!) Entwicklung ermöglicht. Weil unsere Ökonomie so arbeitet Warum heißt es denn Nord- Süd Gefälle, das Geld fließt doch nach Norden. Dorthin, wo ich geboren wurde, weg von hier.

Ich werde im durchschnitt 80 Jahre alt und der hier vor mir vielleicht 50. Daka der Straßenjunge macht es bei seinem Benzinkonsum vielleicht bis 20, ehe er an verrotteten Lungen zugrunde geht.

Wer hier kein Geld hat, der stirbt, wenn er krank wird und keins auftreiben kann.

Tomy.

Ich nenne ihn Tomy, weil ich seinen Namen nicht kenne.

Taubstumm, geistig behindert. Bekleidet mit einem Strickpulli, der mal rot-schwarz geringelt war, mittlerweile ist er nur noch dreckig. Eine kurze Hose, die ihm bei jedem zehnten Schritt über den Hintern rutscht. Ich erkenne Tomy am Geruch, denn anders als die andern Straßenkinder, wie sich einmal am Tag, ihre Kleidung im CRO waschen können, tut er das nie.

Tomy sitzt neben der Küche herum. Alleine. Er kriegt Poridge und später Posho und Beans, die er mit seinen schmutzigen, von Ratten angenagten Fingern isst.

Als wir ihn am Montag von der Straße aufgelesen haben, haben wir ihn erst zur Krankenschwester gebracht. Die hat ihn verarztet. Wie alle Street kids hatte er diese ovalen Wunden am Bein. Ich habe keine Ahnung, wo die herkommen, aber jedes Kind hat oder hatte sie. Eine halbe Stunde später hat er die Pflaster wieder abgerissen.

Zwei Staffmitglieder versuchen den Evil spirit of deafness (Taubheit) auszutreiben. Es wir laut und aggressiv gebetet. Sie legen ihm die Hand auf den Kopf. Tomy bewegt sich so, wie er das schon mal tut. Aber dieses Mal ist es das Zeichen, dass der Dämon mit den betenden Kämpft. Leider hat die Aktion nicht den erwünschten Effekt. Tomy nimmts gelassen.

Erst eine halbe stunde Später höre ich seine Stimme. Er haut seinen Kopf gegen die Wand und schreit und schreit und schreit. Ich bringe ihn mit einem andern zusammen zur Krankenschwester. Wir halten zu zweit seinen Kopf fest, bis er sich beruhigt. Dann legen wir ihn auf ein Bett. Er kriegt drei Valium und nochmal ein paar Gebete. Bald darauf steht er auf und kurz darauf ist er weg. Irgendwohin zurück auf die Straße.

Die Leute im Projekt kennen ihn. Sie kennen auch seine Mutter.

Ich versuche rauszufinden, ob es soetwas, wie ein Heim für solche Kinder gibt.

Die Managernin sagt schließlich, dass da ein Mann kommt, der Tomy mitnehmen kann. Und den anderen Taubstummen Jungen, der aber sehr clever ist, auch. Mr Kujuna.

Bisher ist er nicht aufgetaucht, aber Tomy kommt jetzt jeden Tag ins CRO um was zu essen. Er hat mich wiedererkannt und ich habe mich am Freitag, als er wieder angefangen hat, seinen Hinterkopf gegen die Wand zu hauen neben ihn gesetzt. Seinen Hinterkopf in meine Hand genommen, mich neben ihn gesetzt ind beruhigende Laute gemacht. Ich habe ihm die Hand hingehalten und er hat sie genommen un daufgehört. Ich habe ihn mit ins Büro genommen, in dem wir mit drei anderen Staffmitgliedern Formulare für ein paar neue Kinder ausgefüllt haben. Die anderen waren nicht sehr begeistert, dass er da war. Denn er stinkt ja noch genauso, wie am ersten Tag. Aber er war ganz ruhig un dich war ganz leise und vorsichtig. Ich habe ihm einen Stuhl hingestellt und er hat sich gesetzt, hat meine Hände genommen. Es kostet mich überwindung mich von ihm berühren zu lassen und ihn anzufassen.

Ob er weiß, dass das CRO am Wochenende zu hat? Ob er weiß, dass viele Menschen zwei Tage eines 7 Tagerythmusses als Wochenende definieren? Ob er am Montag wiederkommt?

5.4.09 21:16





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