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Aktuelle Situation

Jetzt ist ein guter Monat rum, und ich bin all den neugierigen Lesern in Deutschland und überall sonst doch ein paar Worte schuldig. Aktuelles: Ich hab mir gerade die üblichen Magen-Darmprobleme gefangen, die so viele Mzungus hier bekommen. Deswegen bin ich heute nicht ins Projekt gefahren, das ich gestern auch schon aus dem gleichen Grund eineinhalb Stunden vor ofiziellem Dienstschluss verlassen habe, sondern hab mich mit dem Boda Boda auf ins IAA gemacht. IAA steht für International Air Ambulance. Das ist ein schönes zwestöckiges irgendwie Kolonialstil mäßig anmutendes Gebäude auf einem recht riesigen Grundstück mit einem Zaun drumherum und einem Arzt drin. Einen Hubschrauber habe ich nicht gesehen, und auch keinen Landeplatz. Das „Air" kommt mir also etwas aus der Luft gegriffen vor...

Der Doktor saß gerade mäßig interessiert vor NTV/Al Jazeera (Ich wusste garnicht, dass die beiden Sender kooperieren) und hat mich dann sofort, nachdem ich ein kleines Patientenkärtchen ausgefüllt habe angehört. Ich hab ein paar Proben im Labor abgegeben und nach zwanzig Minuten stand fest, dass ich weder Malaria, Cholera oder sonstwas exotisches habe, sondern wahrscheinlich „nur" einen Virus. So ein Labor mit einem Mikroskop drin hat glaubich jedes Krankenhaus hier. Das Iaa hat auch noch ein paar Zentrifugen und sowas.

Soweit so gut. Ich nehm weiter die Symptombekämpfungspillen, die ich aus Deutschland mitgebracht und die ich heute Nacht um vier das erste mal eingeschmissen habe und kann mir bei Bedarf dort neue hohlen... mal sehen wie sich das entwickelt.

Interessant ist noch, dass ich auf dem Weg zum IAA am Health Center, also sowas, wie dem normalen Stadtkrankenhaus vorbeigefahren bin. Das ist etwa halbso groß und DA war der Bär los. Es saßen Leute bis vorne auf die Stufen und vor dem Haus im Schatten des Dachens und haben auf Behandlung gewartet. Der Arzt dort muss wohl um einiges more busy sein als meiner. Liegt vielleicht an den Preisen... Ich hab 47.000 Uganda Shilling bezahlt. Das sind umgerechnet 21 Euro. Für die Untersuchung einer Blut- und eine Stuhlprobe, die kurze Wartezeit mit eingerechnet für deutsche Verhältnisse wohl ganz ok, aber hier egal zu welchen Konditionen für fast jeden unerschwinglich. Normalerweise kostet ein Malariatest 2000, also einen Euro. Dabei handelt es sich um eine Blutprobe aus dem Finger, die dann unter dem Mikroskop untersucht wird. Viel mehr hat der Arzt bei mir auch nicht gemacht. Er meinte, dass um die Mittagszeit auch bei ihm ne Menge los wär.

So genug Krankengeschichten. Ein kleines Detail noch: Wir haben einen Rohrburch, und das Wasser im Regentank ist auch heute morgen zur Neige gegangen. Das heißt, wir haben kein Wasser für den „täglichen Gebrauch"...

 

WOHNSITUATION

Ein paar Worte zur Wohnsituation:

Ich wohne zusammen mit Sharon, einer Uganderin, Yvonne, einer anderen Deutschen, Ashley aus Kanada, sowie ihrem Adoptivkind „Baby Diana" in einem großen schönen Backsteinhaus mit Giebeldach. Hohe Decken, Hohe Türrahmen, Eine Küche mit Kühlschrank, extrem langsamen Internetzugang, grüne Wände im Wohnzimmer, in dem wir abends eigentlich immer zusammensitzen. Es gibt fließendes Wasser in der Küche und im Bad. Dort fließt es, auch nach einmonatigen „Anstrengungen" des Klempners, den ich nie zu Gesicht bekommen habe, dessen Fähigkeiten ich mittlerweile allerdings als extrem niedrig einzustufen weiß, eher auf den Boden – und mittlerweile halt gar nicht mehr. Der „Klempner" ist bestimmt den ganzen Monat, den ich hier wohne immer mal wieder gekommen und hinterher war immer etwas anderes am Klo kaputt. Mal tropft da, mal dort, mal läuft der Wasserkasten über, mal hat er garkein Wasser drin und heute morgen ist wohl der Hebel zum zweiten Mal abgebrochen.

Wir nennen also weiterhin eine stattliche Dauerpfütze auf dem Fußboden unser eigen, die sowohl unseren drei kakerlakigen Mitbewohnern, als auch mir gelegentlich zum Verhängnis wird. Gestern noch habe ich eine mit unserer Klobürste vor dem qualvollen Tod durch ertrinken (wenn die ekligen Viecher trinken) gerettet. Sie hat die Hinterbeine doch recht leblos hinter ihrem haarigen Körper nachgezogen...

Sharon, die die Hausverwaltung macht hat dem Fake-Klempner ne Menge Geld für die Reparaturen bezahlt und als ich hörte, dass der gleiche Mensch das Wasserrohr, das zum Glück über Putz außen an der Hauswand liegt reparieren soll habe ich protestiert. Zum Glück kennt Yvonne einen echten Klempner persönlich. Der kommt dan hoffentlich morgen. Ich bin nach dem Arztbesuch auf den Mark gefahren, hab 10 Liter Trinkewasser ud zwei 20 Literkanister gekauft. Einer hat schon ein Loch und beide wahren ursprünglich mit Cookingoil gefüllt. Zum glück wohnt Sharons Schwester Harriet nur so fünf Minuten von heir weg. Ich werd also heute bestimmt noch zweimal Wasserholen gehen. (eigentlich auch ganz fair, wenn ichs bedenke)

Ich glaube sowas wie eine Berufsausbildung giebt es in Uganda für so Berufe, wie den des Klempners nicht. Harriet meint, dass man sich halt, wenn jemandem beim Klempnern lange genug zuschaut „Plumber" nennt. Ich glaube, man darf das schon, wenn man eine Zange halten kann. Irgendwie find ich das auch in Ordnung so. Wenn du halt Handwerklich gut drauf bist und lang egenug bei einem anderen der schon etwas kann ganz ungeregelt in die Lehre gest und dann hinterher deine Fähigkeiten verkaufst, warum nicht. Die Sache ist, dass Menschen halt irgendwie an Geld kommen wollen. Wo Überlebenstrieb endet und Frechheit beginnt ist schwer zu beurteilen.

Also ich kann unserem Klempner keinen Vorwurf machen, dass er keine Ahnung hat, höchstens dass er das nicht zugibt. Und selbst das... Schwierig. Fest steht, dass er bei der Klospülung noch nicht so viel kaputtmachen konnte, aber jetzt bei der Wasserleitung... Ich glaub, ich kauf mir bald mal ne Schaufel. Zum Thema Latrine komme ich aber auch später noch.

Mein Zimmer ist sehr in Ordnung. Es stehen zwei Betten drin, eins für mich und eins für Gäste. Momentan natürlich für alles was Mzungu so nach Afrika schleppt um sich heimisch zu fühlen. Das Bett ist ein bisschen zu klein für mich, was ja nicht sooo ungewöhnlich ist und made in Uganda. Das heißt echt und komlpett handgarbeitet. Vom Gestell bis zur Matratze. Holzrahmen mit einfachen Latten als Rost. Die Matratze wir einfach mit einer Machete aus Schaumstoff ausgesägt und dann mit einem Stoffschlauch umspannt. Das Mückennetz kommt natürlich aus der Fabrik. So groß ist die Moskitobedrohung in meinem Zimmer aber nicht. Generell erfreue ich mich in meinem Zimmer schönster Einsamkeit, die ich nach einem Tagen im Projekt und auf der Straße (wozu ich auch später noch kommen muss) auch wirklich herbeisehne. Besuch hatte ich bisher eher selten dort.

Heute Nacht hat es etwas komisch geraschelt unter meinem Bett. Ich glaube, da hat wohl ein Bewohner aus dem Bad, dass ja momentan eher als Sumpfgebiet durchgeht einen kleinen Ausflug aufs Festland unternommen. Ansonsten ist Baby Diana ein paar Mal höchst interessiert in mein Zimmer gepatscht und hat so nach und nach diverse Gegenstände entwendet und ins Wohnzimmer, in den Flur oder sonstwohin geschleppt. Als meine Zahnbürste dran war musste ich dem kindlichen Entdeckergeist, dem ich sonst so gerne bei der Arbeit zusehe, leider Einhalt gebieten, da ich ihren Status als Hygieneartikel doch etwas gefärdet sah.

Diese Befürchtung erwächst aus dem Eindruck, den ich von der Sauberkeitssituation in unserer Wohnung habe. Als verpempeltem Mitteleuropäer aus mittelständig-ordendlichen Verhältnissen, der es gewohnt ist, dass man vom Boden essen kann ist mir diese bei meinem Einzug hier doch als „anders als von zuhause gewohnt" aufgefallen. Vom Boden Essen sollte man nämlich in unserer Küche auf keinen Fall, auch wenn man neben einem kleinen Ameisensträßchen bestimmt so den einen oder anderen Happen fände. Anyway. Das Essen ist definitiv einfach besser als in Deutschland. Sowohl qualitativ als auch quantitativ... Alle Früchte sind frisch und praktisch bio. Aber auch dazu muss ich nochmal ein eigenes Kapitel schreiben. Mensch die Themen läppern sich aber.

Es ist auf jeden Fall immer Leben in der Bude. Sharon und Shley haben viele Mzungufreunde. Meistens aus den USA. Die sind echt viele hier. Die Amerikanische Kirche macht tierisch einen los hier. Fast alle Amerikaner, die ich kennen gelernt habe waren entweder Missionare, oder anderweitig christlich unterwegs. Dann gibt es ein paar Israelis, die nach ihrem dreijährigen Militädienst beschlossen haben in Jinja ein Boot zu bauen. Ohne die geringste Ahnung, wie man sowas macht. Einer von denen hat mir neulich erzählt, dass man in Israel nur um den Militärdienst rumkommt indem man sich für körperlich oder psychisch untauglich erklären lässt, oder aber ins Gefängnis geht... Leider reisen die Jungs bald ab und ich war noch garnicht auf dem Boot.

Ansonsten sind da noch die Familie und die Freude von Sharon. Familien sind hier größer und Gesellschaften irgenwie stärker, sozialer, offensichtlicher. Man besucht sich spontaner, öfter, regelmäßiger. Der Bruder von Sharon, Ivan (englisch ausgesprochen) wohnt mit seinem Cousin Peterson (eine Katze haben wir leider nicht) nebenan in der Garage, die innen schön gestrichen ist und zwei große Betten, einen Schrank und diverse Plakate von Skylines größerer Städte beinhaltet.

Ivan ist 18 Jahre alt ist so hilfsbereit, dass es mir schon häufig unangenehm war. Er kocht und spült ab und putzt und macht dann noch Hausaufgaben. Er ist auch sowas, wie das Kindermädchen für Baby Diana. Er weiß, wie so ziemlich jeder hier, wie man mit Babys umgeht, weil man einfach damit aufwächst,d ass man sich um die jüngeren Geschwister kümmert. Wenn man vier oder sieben Geschwister hat kann man also wickeln, rumtragen und alles andere zur Genüge üben. Entsprechend vertraut Ashley Diana Ivan regelmäßig an und er kümmert isch ganz selbstverständlich um sie. Ich glaub er kriegt ein lkeines Taschenged dafür, aber er würde es bestimmt auch so machen.

Er gewinnt jeden Kampf, wenn ich es mal versuche eine der Arbeiten an mich zu reißen. Vor allem als ich am Anfang fragen musste, wo alles steht hat er immer gesagt, „It`s Ok Jan, I will do that", sogar „You look tired, you can take a rest". Jetzt verhalte ich mich einfach ganz unauffällig, wenn ich soziale Aufgaben übernehme, nehme mir einfach klammheimlich den Spül- oder den Putzlappen...

Insgesamt könnte das hier schon eine WG sein, wenn es das Konzept hier gäbe. Lauter junge Laute, dreckige Küche, kaputtes Zeug, Internet immer besetzt, Unordnung, immer irgendwer anders hier, gelegentlich „Parties". Jeder kocht so sein Süppchen, meistens ein soziales und alle gehören so zusammen. Der Begriff Ersatzfamilie passt hier wirklich gut.

Über uns wohnt eine andere Familie, die auch ein paar klein schreiende Kinder hat und dessen Familianvater einen kleinen Familienvan fährt. Morgens um sechs wenn alles so gerade aufwacht und Muzungu noch schläft lässt er mit vorliebe den Motor ein- zweihundertmal aufheulen, oder schlägt die Autotür einige Male mit anstäniger Wucht zu. Gerüchten zufolge hat er mit seinem Bus schon zwei Fahrräder, die ganz friedlich auf dem Grundstück parkten gerammt... Auf mich macht er einen ganz freundlichen Eindruck. Er hat mir geraten ein Mädchen zu heiraten, dass aus einer guten Familie ist, die well educated ist und sowas. Ob er dabei an eine seiner Töchter dachte? Aber seitdem die mich mal beim Tai Chi machen im Garten gesehen haben bin ich wohl eher als unheimlicher Exot eingestuft.

 

10.3.09 15:12





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