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Reizueberflutung

Leider ist der einleitende Artikel zum CRO noch nicht fertig, weil ich allen Interessierten aber etwas zu lesen geben möchte kommt jetzt erstmal die Reizüberflutung. Dies ist eine Schilderung dunkler Eindrücke. Bitte nicht verzweifeln liebe/r Leser/in. Ich möchte deutlich machen, dass das hier kein komplettes Bild meines Lebens, Ugandas, oder Jinjas ist. Es ist eine Facette, eine die ich nicht unbeschrieben lassen möchte.

Masese III. Rote Lehmhütten an einem Hang. Wir kommen mit einem Geländewagen einer britischen Mzungu an. So ziemlich jedes zweite Straßenkind aus Jinja kommt von hier, oder landet hier, glaube ich. Lehmhütten, Feuer, Bohnen, Ruß, nackte Füße, alte Hände sortieren Bohnen, alte Frauen lächeln knitterig zum mir hoch. Ich lege die Linke Hand beim ergreifen ihrer rechten mit meiner an meinen rechten Elbogen, als Zeichen des Respekts. Junge Mädchen sortieren mit Bohnen. Vielleicht so alt wie ich, amnche jünger. Kein Geld für Schule und auch eigentlich auch keins für Kinder. Eigentlich.

Kinder. Wir, das heißt eine Frau und zwei Männer aus dem CRO, die Mzungu sind innerhalb von fünf Minuten mit einer Anzahl von Kindern umgeben, die in Deutschland bestimmt zwei Kindergartengruppen füllen würde, um optimale erzeiherische Versorgung zu gewährleisten.Si everfolgen uns überall hin verfolgt. Sie berühren mich ganz kurz mit der Hand, klopfen gegen meine Umhängetasche. Nackte Füße, Schmutzige Gesichter, kleine Streitereien, große, wach einteresseirte Augen. Kleine Hände greifen nach meinen großen.

Mir kommen die Worte einer Freundin, die auch eine EIRENE Freiwillige ist in den Kopf.

„Ihr sein ja süß. Aber ihr seid zu viele!"

Die Schnapsbrennerei. „Very local", wie mir versichert wird. Ich sehe alte Ölfässer, Feuer, Dämpfe, Wärme. In schlangen gebogene dünne rohre, wohl improvisierte Destillen. Rostbraune Flüßigkeit schießt aus dem erhitzten Ölfas in den Dreck. Ich hoffe, dass das die Kühlflüssigkeit ist, denn trinkbar sieht es nicht aus.

Hier in der Brennerei schwitzen die Männer bei der Arbeit.

„The main activity of the men here in Masese is taking alcohol"

 

AIDS, häußliche Gewalt, Vergewaltigungen, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit.

Die Armut, die krasse, krasse Armut, unser übermäßiger Reichtum. Der Reichtum unserer Länder, unserer Staaten, und diese Armut hier. Uganda war die Kornkammer Ostafrikas. Ein fruchtbare Land. Eigentlich müsste niemand verhungern.

Ich frage mich, ob es diese „Bonlieu Situation" schon vor der Ankunft unserer Kultur in Afrika gab.

Ob es soetwas, wie die Masese III community schon vor den Engländern gab.

Die Frauen arbeiten, die Frauen bekommen und erziehen die Kinder. Arbeiten, putzen, die Männer trinken... Wir sind hier um den Womenclub zu besuchen. Da treffen sich Frauen, die meisten sind bestimmt schon Großmütter in der Primary School der Masese community. Heute unter einem Baum in der community. Die Frauen fädeln Perlen auf, um Halsketten zu machen. Die Frauen, machen Bussines um die Familien zu ernähren. Jeder von uns besuchern soll ein Grußwort sprechen. Die Brittin dankt für den Einsatz für die Familien, zeigt Respekt für die Arbeit. Ich weiß garnicht,w as ich sagen soll. Einer vom CRO beginnt zu predigen. Auf Englisch. Er wird sofort von einem anderen nach Lusoga übersetzt. Die Frauen hören ganz aktiv zu. Rufen dazwischen, antworten mit den richtigen Worten, Enthusiasmus und Freude kommt auf. Ich habe ja mene Probleme mit dem glauben hier. Aber in dem Moment sehe ich, wie er funktionieren kann. Hoffnung.

 

Jinja, Markt und Gassen einen Block von der Hauptstraße entfernt:

Die Einfachheit, das Hand aufhalten, die Sprache, der Schmutz, der Gestank von Müllcontainern und der Anblick von Jungs im Alter zwischen 8 und 25, die darum herumsitzen und irgendwas in alten Farbeimern kochen. Die Rufe, die Aufmerksamkeit.

Ein Mzungu ist interessant, ein Mzungu mit Dreadlocks ist noch interessanter, aber ich glaube es gibt nur wenige Dinge, die so interessant sind, wei ein 2 Meter Mzungu mit Dreads und Gitarre auf dem Rücken, der ein Inderfahrrad fährt. Manchmal meiden ich die Hauptstraße. Ich meide den Markt unbewusst. Kann mich nicht erinnern, wann ich das letzt mal außerhalb der Arbeit da war.

Rufe:

„Obamas Friend, American height, my friend, gwe! (du!), immer wieder mzungu, you come, come come come, give me, where do you come from, how is your life..."

Und was soll ich DArauf antworten?

Ich werde, wenn die Statistik auf mich zutrifft in einem Krankenhaus am Tropf sterben angeschlossen an Maschinen, die einen Großteil meiner Körperfunktionen übernehmen, weil mein Land das Geld dazu hat ein Gesundheitssystem zu unterhalten, das so gut wie jedem Bürger medizinische Versorgung auf dem höchsten Stand der aktuellen technischen (!) Entwicklung ermöglicht. Weil unsere Ökonomie so arbeitet Warum heißt es denn Nord- Süd Gefälle, das Geld fließt doch nach Norden. Dorthin, wo ich geboren wurde, weg von hier.

Ich werde im durchschnitt 80 Jahre alt und der hier vor mir vielleicht 50. Daka der Straßenjunge macht es bei seinem Benzinkonsum vielleicht bis 20, ehe er an verrotteten Lungen zugrunde geht.

Wer hier kein Geld hat, der stirbt, wenn er krank wird und keins auftreiben kann.

Tomy.

Ich nenne ihn Tomy, weil ich seinen Namen nicht kenne.

Taubstumm, geistig behindert. Bekleidet mit einem Strickpulli, der mal rot-schwarz geringelt war, mittlerweile ist er nur noch dreckig. Eine kurze Hose, die ihm bei jedem zehnten Schritt über den Hintern rutscht. Ich erkenne Tomy am Geruch, denn anders als die andern Straßenkinder, wie sich einmal am Tag, ihre Kleidung im CRO waschen können, tut er das nie.

Tomy sitzt neben der Küche herum. Alleine. Er kriegt Poridge und später Posho und Beans, die er mit seinen schmutzigen, von Ratten angenagten Fingern isst.

Als wir ihn am Montag von der Straße aufgelesen haben, haben wir ihn erst zur Krankenschwester gebracht. Die hat ihn verarztet. Wie alle Street kids hatte er diese ovalen Wunden am Bein. Ich habe keine Ahnung, wo die herkommen, aber jedes Kind hat oder hatte sie. Eine halbe Stunde später hat er die Pflaster wieder abgerissen.

Zwei Staffmitglieder versuchen den Evil spirit of deafness (Taubheit) auszutreiben. Es wir laut und aggressiv gebetet. Sie legen ihm die Hand auf den Kopf. Tomy bewegt sich so, wie er das schon mal tut. Aber dieses Mal ist es das Zeichen, dass der Dämon mit den betenden Kämpft. Leider hat die Aktion nicht den erwünschten Effekt. Tomy nimmts gelassen.

Erst eine halbe stunde Später höre ich seine Stimme. Er haut seinen Kopf gegen die Wand und schreit und schreit und schreit. Ich bringe ihn mit einem andern zusammen zur Krankenschwester. Wir halten zu zweit seinen Kopf fest, bis er sich beruhigt. Dann legen wir ihn auf ein Bett. Er kriegt drei Valium und nochmal ein paar Gebete. Bald darauf steht er auf und kurz darauf ist er weg. Irgendwohin zurück auf die Straße.

Die Leute im Projekt kennen ihn. Sie kennen auch seine Mutter.

Ich versuche rauszufinden, ob es soetwas, wie ein Heim für solche Kinder gibt.

Die Managernin sagt schließlich, dass da ein Mann kommt, der Tomy mitnehmen kann. Und den anderen Taubstummen Jungen, der aber sehr clever ist, auch. Mr Kujuna.

Bisher ist er nicht aufgetaucht, aber Tomy kommt jetzt jeden Tag ins CRO um was zu essen. Er hat mich wiedererkannt und ich habe mich am Freitag, als er wieder angefangen hat, seinen Hinterkopf gegen die Wand zu hauen neben ihn gesetzt. Seinen Hinterkopf in meine Hand genommen, mich neben ihn gesetzt ind beruhigende Laute gemacht. Ich habe ihm die Hand hingehalten und er hat sie genommen un daufgehört. Ich habe ihn mit ins Büro genommen, in dem wir mit drei anderen Staffmitgliedern Formulare für ein paar neue Kinder ausgefüllt haben. Die anderen waren nicht sehr begeistert, dass er da war. Denn er stinkt ja noch genauso, wie am ersten Tag. Aber er war ganz ruhig un dich war ganz leise und vorsichtig. Ich habe ihm einen Stuhl hingestellt und er hat sich gesetzt, hat meine Hände genommen. Es kostet mich überwindung mich von ihm berühren zu lassen und ihn anzufassen.

Ob er weiß, dass das CRO am Wochenende zu hat? Ob er weiß, dass viele Menschen zwei Tage eines 7 Tagerythmusses als Wochenende definieren? Ob er am Montag wiederkommt?

5.4.09 21:16


Aktuelle Situation

Jetzt ist ein guter Monat rum, und ich bin all den neugierigen Lesern in Deutschland und überall sonst doch ein paar Worte schuldig. Aktuelles: Ich hab mir gerade die üblichen Magen-Darmprobleme gefangen, die so viele Mzungus hier bekommen. Deswegen bin ich heute nicht ins Projekt gefahren, das ich gestern auch schon aus dem gleichen Grund eineinhalb Stunden vor ofiziellem Dienstschluss verlassen habe, sondern hab mich mit dem Boda Boda auf ins IAA gemacht. IAA steht für International Air Ambulance. Das ist ein schönes zwestöckiges irgendwie Kolonialstil mäßig anmutendes Gebäude auf einem recht riesigen Grundstück mit einem Zaun drumherum und einem Arzt drin. Einen Hubschrauber habe ich nicht gesehen, und auch keinen Landeplatz. Das „Air" kommt mir also etwas aus der Luft gegriffen vor...

Der Doktor saß gerade mäßig interessiert vor NTV/Al Jazeera (Ich wusste garnicht, dass die beiden Sender kooperieren) und hat mich dann sofort, nachdem ich ein kleines Patientenkärtchen ausgefüllt habe angehört. Ich hab ein paar Proben im Labor abgegeben und nach zwanzig Minuten stand fest, dass ich weder Malaria, Cholera oder sonstwas exotisches habe, sondern wahrscheinlich „nur" einen Virus. So ein Labor mit einem Mikroskop drin hat glaubich jedes Krankenhaus hier. Das Iaa hat auch noch ein paar Zentrifugen und sowas.

Soweit so gut. Ich nehm weiter die Symptombekämpfungspillen, die ich aus Deutschland mitgebracht und die ich heute Nacht um vier das erste mal eingeschmissen habe und kann mir bei Bedarf dort neue hohlen... mal sehen wie sich das entwickelt.

Interessant ist noch, dass ich auf dem Weg zum IAA am Health Center, also sowas, wie dem normalen Stadtkrankenhaus vorbeigefahren bin. Das ist etwa halbso groß und DA war der Bär los. Es saßen Leute bis vorne auf die Stufen und vor dem Haus im Schatten des Dachens und haben auf Behandlung gewartet. Der Arzt dort muss wohl um einiges more busy sein als meiner. Liegt vielleicht an den Preisen... Ich hab 47.000 Uganda Shilling bezahlt. Das sind umgerechnet 21 Euro. Für die Untersuchung einer Blut- und eine Stuhlprobe, die kurze Wartezeit mit eingerechnet für deutsche Verhältnisse wohl ganz ok, aber hier egal zu welchen Konditionen für fast jeden unerschwinglich. Normalerweise kostet ein Malariatest 2000, also einen Euro. Dabei handelt es sich um eine Blutprobe aus dem Finger, die dann unter dem Mikroskop untersucht wird. Viel mehr hat der Arzt bei mir auch nicht gemacht. Er meinte, dass um die Mittagszeit auch bei ihm ne Menge los wär.

So genug Krankengeschichten. Ein kleines Detail noch: Wir haben einen Rohrburch, und das Wasser im Regentank ist auch heute morgen zur Neige gegangen. Das heißt, wir haben kein Wasser für den „täglichen Gebrauch"...

 

WOHNSITUATION

Ein paar Worte zur Wohnsituation:

Ich wohne zusammen mit Sharon, einer Uganderin, Yvonne, einer anderen Deutschen, Ashley aus Kanada, sowie ihrem Adoptivkind „Baby Diana" in einem großen schönen Backsteinhaus mit Giebeldach. Hohe Decken, Hohe Türrahmen, Eine Küche mit Kühlschrank, extrem langsamen Internetzugang, grüne Wände im Wohnzimmer, in dem wir abends eigentlich immer zusammensitzen. Es gibt fließendes Wasser in der Küche und im Bad. Dort fließt es, auch nach einmonatigen „Anstrengungen" des Klempners, den ich nie zu Gesicht bekommen habe, dessen Fähigkeiten ich mittlerweile allerdings als extrem niedrig einzustufen weiß, eher auf den Boden – und mittlerweile halt gar nicht mehr. Der „Klempner" ist bestimmt den ganzen Monat, den ich hier wohne immer mal wieder gekommen und hinterher war immer etwas anderes am Klo kaputt. Mal tropft da, mal dort, mal läuft der Wasserkasten über, mal hat er garkein Wasser drin und heute morgen ist wohl der Hebel zum zweiten Mal abgebrochen.

Wir nennen also weiterhin eine stattliche Dauerpfütze auf dem Fußboden unser eigen, die sowohl unseren drei kakerlakigen Mitbewohnern, als auch mir gelegentlich zum Verhängnis wird. Gestern noch habe ich eine mit unserer Klobürste vor dem qualvollen Tod durch ertrinken (wenn die ekligen Viecher trinken) gerettet. Sie hat die Hinterbeine doch recht leblos hinter ihrem haarigen Körper nachgezogen...

Sharon, die die Hausverwaltung macht hat dem Fake-Klempner ne Menge Geld für die Reparaturen bezahlt und als ich hörte, dass der gleiche Mensch das Wasserrohr, das zum Glück über Putz außen an der Hauswand liegt reparieren soll habe ich protestiert. Zum Glück kennt Yvonne einen echten Klempner persönlich. Der kommt dan hoffentlich morgen. Ich bin nach dem Arztbesuch auf den Mark gefahren, hab 10 Liter Trinkewasser ud zwei 20 Literkanister gekauft. Einer hat schon ein Loch und beide wahren ursprünglich mit Cookingoil gefüllt. Zum glück wohnt Sharons Schwester Harriet nur so fünf Minuten von heir weg. Ich werd also heute bestimmt noch zweimal Wasserholen gehen. (eigentlich auch ganz fair, wenn ichs bedenke)

Ich glaube sowas wie eine Berufsausbildung giebt es in Uganda für so Berufe, wie den des Klempners nicht. Harriet meint, dass man sich halt, wenn jemandem beim Klempnern lange genug zuschaut „Plumber" nennt. Ich glaube, man darf das schon, wenn man eine Zange halten kann. Irgendwie find ich das auch in Ordnung so. Wenn du halt Handwerklich gut drauf bist und lang egenug bei einem anderen der schon etwas kann ganz ungeregelt in die Lehre gest und dann hinterher deine Fähigkeiten verkaufst, warum nicht. Die Sache ist, dass Menschen halt irgendwie an Geld kommen wollen. Wo Überlebenstrieb endet und Frechheit beginnt ist schwer zu beurteilen.

Also ich kann unserem Klempner keinen Vorwurf machen, dass er keine Ahnung hat, höchstens dass er das nicht zugibt. Und selbst das... Schwierig. Fest steht, dass er bei der Klospülung noch nicht so viel kaputtmachen konnte, aber jetzt bei der Wasserleitung... Ich glaub, ich kauf mir bald mal ne Schaufel. Zum Thema Latrine komme ich aber auch später noch.

Mein Zimmer ist sehr in Ordnung. Es stehen zwei Betten drin, eins für mich und eins für Gäste. Momentan natürlich für alles was Mzungu so nach Afrika schleppt um sich heimisch zu fühlen. Das Bett ist ein bisschen zu klein für mich, was ja nicht sooo ungewöhnlich ist und made in Uganda. Das heißt echt und komlpett handgarbeitet. Vom Gestell bis zur Matratze. Holzrahmen mit einfachen Latten als Rost. Die Matratze wir einfach mit einer Machete aus Schaumstoff ausgesägt und dann mit einem Stoffschlauch umspannt. Das Mückennetz kommt natürlich aus der Fabrik. So groß ist die Moskitobedrohung in meinem Zimmer aber nicht. Generell erfreue ich mich in meinem Zimmer schönster Einsamkeit, die ich nach einem Tagen im Projekt und auf der Straße (wozu ich auch später noch kommen muss) auch wirklich herbeisehne. Besuch hatte ich bisher eher selten dort.

Heute Nacht hat es etwas komisch geraschelt unter meinem Bett. Ich glaube, da hat wohl ein Bewohner aus dem Bad, dass ja momentan eher als Sumpfgebiet durchgeht einen kleinen Ausflug aufs Festland unternommen. Ansonsten ist Baby Diana ein paar Mal höchst interessiert in mein Zimmer gepatscht und hat so nach und nach diverse Gegenstände entwendet und ins Wohnzimmer, in den Flur oder sonstwohin geschleppt. Als meine Zahnbürste dran war musste ich dem kindlichen Entdeckergeist, dem ich sonst so gerne bei der Arbeit zusehe, leider Einhalt gebieten, da ich ihren Status als Hygieneartikel doch etwas gefärdet sah.

Diese Befürchtung erwächst aus dem Eindruck, den ich von der Sauberkeitssituation in unserer Wohnung habe. Als verpempeltem Mitteleuropäer aus mittelständig-ordendlichen Verhältnissen, der es gewohnt ist, dass man vom Boden essen kann ist mir diese bei meinem Einzug hier doch als „anders als von zuhause gewohnt" aufgefallen. Vom Boden Essen sollte man nämlich in unserer Küche auf keinen Fall, auch wenn man neben einem kleinen Ameisensträßchen bestimmt so den einen oder anderen Happen fände. Anyway. Das Essen ist definitiv einfach besser als in Deutschland. Sowohl qualitativ als auch quantitativ... Alle Früchte sind frisch und praktisch bio. Aber auch dazu muss ich nochmal ein eigenes Kapitel schreiben. Mensch die Themen läppern sich aber.

Es ist auf jeden Fall immer Leben in der Bude. Sharon und Shley haben viele Mzungufreunde. Meistens aus den USA. Die sind echt viele hier. Die Amerikanische Kirche macht tierisch einen los hier. Fast alle Amerikaner, die ich kennen gelernt habe waren entweder Missionare, oder anderweitig christlich unterwegs. Dann gibt es ein paar Israelis, die nach ihrem dreijährigen Militädienst beschlossen haben in Jinja ein Boot zu bauen. Ohne die geringste Ahnung, wie man sowas macht. Einer von denen hat mir neulich erzählt, dass man in Israel nur um den Militärdienst rumkommt indem man sich für körperlich oder psychisch untauglich erklären lässt, oder aber ins Gefängnis geht... Leider reisen die Jungs bald ab und ich war noch garnicht auf dem Boot.

Ansonsten sind da noch die Familie und die Freude von Sharon. Familien sind hier größer und Gesellschaften irgenwie stärker, sozialer, offensichtlicher. Man besucht sich spontaner, öfter, regelmäßiger. Der Bruder von Sharon, Ivan (englisch ausgesprochen) wohnt mit seinem Cousin Peterson (eine Katze haben wir leider nicht) nebenan in der Garage, die innen schön gestrichen ist und zwei große Betten, einen Schrank und diverse Plakate von Skylines größerer Städte beinhaltet.

Ivan ist 18 Jahre alt ist so hilfsbereit, dass es mir schon häufig unangenehm war. Er kocht und spült ab und putzt und macht dann noch Hausaufgaben. Er ist auch sowas, wie das Kindermädchen für Baby Diana. Er weiß, wie so ziemlich jeder hier, wie man mit Babys umgeht, weil man einfach damit aufwächst,d ass man sich um die jüngeren Geschwister kümmert. Wenn man vier oder sieben Geschwister hat kann man also wickeln, rumtragen und alles andere zur Genüge üben. Entsprechend vertraut Ashley Diana Ivan regelmäßig an und er kümmert isch ganz selbstverständlich um sie. Ich glaub er kriegt ein lkeines Taschenged dafür, aber er würde es bestimmt auch so machen.

Er gewinnt jeden Kampf, wenn ich es mal versuche eine der Arbeiten an mich zu reißen. Vor allem als ich am Anfang fragen musste, wo alles steht hat er immer gesagt, „It`s Ok Jan, I will do that", sogar „You look tired, you can take a rest". Jetzt verhalte ich mich einfach ganz unauffällig, wenn ich soziale Aufgaben übernehme, nehme mir einfach klammheimlich den Spül- oder den Putzlappen...

Insgesamt könnte das hier schon eine WG sein, wenn es das Konzept hier gäbe. Lauter junge Laute, dreckige Küche, kaputtes Zeug, Internet immer besetzt, Unordnung, immer irgendwer anders hier, gelegentlich „Parties". Jeder kocht so sein Süppchen, meistens ein soziales und alle gehören so zusammen. Der Begriff Ersatzfamilie passt hier wirklich gut.

Über uns wohnt eine andere Familie, die auch ein paar klein schreiende Kinder hat und dessen Familianvater einen kleinen Familienvan fährt. Morgens um sechs wenn alles so gerade aufwacht und Muzungu noch schläft lässt er mit vorliebe den Motor ein- zweihundertmal aufheulen, oder schlägt die Autotür einige Male mit anstäniger Wucht zu. Gerüchten zufolge hat er mit seinem Bus schon zwei Fahrräder, die ganz friedlich auf dem Grundstück parkten gerammt... Auf mich macht er einen ganz freundlichen Eindruck. Er hat mir geraten ein Mädchen zu heiraten, dass aus einer guten Familie ist, die well educated ist und sowas. Ob er dabei an eine seiner Töchter dachte? Aber seitdem die mich mal beim Tai Chi machen im Garten gesehen haben bin ich wohl eher als unheimlicher Exot eingestuft.

 

10.3.09 15:12


 nee ich kauf jetzt nix...

 

19.2.09 17:05


19.2.09 17:00


Ankommen in Afrika

Am wenige Minuten alten Freitagmorgen des 30.01.09 berühre ich das erste mal in diesem Leben afrikanischen Boden. Uganda

Back in Mama Afrika, where everything began...

„I like your hair!“ sagt die Frau, die am Schalter steht, bei dem ich das Migrationsheet, das ich zuvor im Flugzeug ausgefüllt habe abgibt.

Meine Gepäck landet wie geplant mit mir zusammen. Und entgegen ernster Befürchtung geht es meiner Trompete so gut, wie beim Abflug. Ich werde von einem „Special Hire“ abgeholt. Der Fahrer hat ein Schild auf dem „JAN STOBER“ steht . Er steht wegen meiner Verspätung wohl schon etwas länger am Flughafen.


Es ist schwül warm und es fliegen ein paar Moskitos herum.


Im schon etwas älteren Auto geht es, ganz ungewohnt als Beifahrer sowohl auf der linken Seite des Vehikels, als auch der Straße ( im ehemals englischen Protektorat Uganda herrscht Linksverkehr) nach Kampala.

Es ist richtig grün. Die Straßen sind gesäumt mit Banaenstauden, anderen Pflanzen, die ich nicht kenne und diversen Gebäuden. Von der Bretterbude mit Wellblechdach bis zum, wenn auch einstöckigen und rosa gestrichenen Betongklotz. Eins aber bleibt aber auf den 50 Km Weg gleich. Die Anzahl der Menschen, die hier entlang der Straßen aufhält oder irgendwohin unterwegs ist.


Beim „Red Chilli Hideaway“ werde ich wohl schon erwartet. Ein Angestellter hatte ebenfalls einen Zettel mit meinem Namen in der Hand. Und führt mich zu meinem Zimmer.

Es trägt den Namen Medusa...

Und beinhaltet nebst zwei Betten, Regal und Ventilator ein Mückennetz, eine Glüchbirne, Frische Bettlaken und eine Wolldecke. Also alles da.

Ich frage nach etwas zu Essen, aber die Küche hat schon zu. Also schlafe ich in meiner ersten Nacht auf Afrikanischen Boden hungrig ein... irgendwie ganz fair, finde ich.


Das Red Chilli ist nicht ein großer Kasten mit einer Rezeption, wo eine Menge Schlüssel an der Rückwand hängen, sondern mehr eine Ansammlung von Bungalows, in denen man einzelne Zimmer oder Wohungen mieten kann. Es stehen auch öfters rosa „Overland“ Busse rum, die sind doppelstöckig. Das obere Stockwerk ist offen und drinnen hängen Hängematten. Draußen stehen Campingbesteck und -mobiliar und ein paar irgendwie erschöpft aber freakig aussehende Mzungus erhohlen sich wohl von der letzten Nacht.


Nach dem Frühstück – es ist 13 Uhr - Reis, Tomatenmatsche und Fisch

( Ja Fisch. Ich habe beschossen mein Vegetariersein hier bis auf weiteres auszusetzen, einfach um einen kompletten Eindruck von Uganda zu bekommen)

und einem zweiten Nickerchen mache ich mich mit dem Taxi auf nach Bugolobi, mir am nächsten liegenden Stadtteil in Kampala.


Taxi oder Matatu heißen die Kleinbusse, die einen wohl überall hinbringen. Ich unternehme also meinen ersten Ausflug in das Afrikanische Leben.


Es würde Jahre dauern um all die Eindrücke des folgenden Abends zu beschreiben.


Menschen

Zu Fuß am Rand der Straße auf dem Weg irgendwo hin. Sandalen, nackte Füße, schwarze Polierte Lederschuhe. Hemden, Anzughosen, Rufe, Blicke


Die Straßen sind schlecht und staubig, und neben den Straßen, sind einfach unglaublich viele Buden, Shops, bei denen man irgendwas kaufen lann.

Meistens was gegrilltes, Stifte und Papier (weil gerade Schulbeginn ist) oder Airtime. Also Handy guthaben.


„Mzungu“

Ich höre das Wort, das mich wohl bis zum Ende dieser Reise (in einem weißhäutigen Körper) begleiten wird zum ersten mal bewusst von einem Security Guard, der in schicker Uniform, mit Sonnenbrille und einer Pumpgun auf dem Knie, recht legère vor seiner Arbeitsstelle, einer Bank mit Geldautomaten, auf einem Plastikstuhl sitzt.

Wo ich herkäme, was ich tuen würde, wie es dort wär, wie lange ich bliebe?

„how is Uganda?“


Ich flüchte mich nachdem mir ein junger Mann, der „Freunde sehr sehr gern hat“, wie er beteuert und mich recht lange begleitet zurück ins „Red Chilly Hideaway“.

Eine halbe Stunde später kommt mein Betreuer von EIRENE, und wir essen, erzählen, und fahren schließlich mit einem Boda nach Bugolobi.

„Boda-Boda will kill you“

Die Worte meines „Special Hire“ Fahrers vom Vorabend sind mir noch recht gut im Gedächtnis.

Das Wort kommt vom Englischen Wort Border (Ein kleines Appetithäppchen des ugandischen Englisch). In der Kombination Boda-Boda heißt es soviel, dass man damit von Grenze zu Grenze und auch mal in nicht ganz lauterer Absicht übner diese hinweg fahren kann.

Es handelt sich bei Bodas oder Boda-Bodas um Motorradtaxis die sich in zielstrebigen aber oftmals in mehr oder weniger lebensmüden Manövern durch den ohnehin recht sparsam geregelten Verkehr schlängeln. Helme sind Ausnahme, mehr als einen Mitfahrer zu haben jedoch nicht.


Und so auch bei mir. Zu dritt auf so einem Ding, durch Linksverkehr über doch recht alte, staubige Straßen und immer wieder an Autos, Matatus, LKW und andern Bodas vorbei bei deren Fahrern das Wort „Katalysator“ oder „Feistaubfilter“ in meiner Vorstellung höchstens ein ungläubiges oder bedauernd mitleidiges Stirnrunzeln herrvorrufen würde.


„How is Uganda?“


Übervoll dunkel duftend grün dreckig staubig schwarz bunt versmogt handgemacht erdnah ursprünglich

anders


„denke“ ich als ich nach einem Abendessen, (Fleisch, Cassava, Paprika, Tomaten, Fritten) und einem Club Besuch im Mzungu-Palce-to-be „Bubbles“ unter einem Laken liege, dass durch seine Leichtigkeit nicht die Eigenschaften zum drunter verstecken besitzt.


Am nächsten Mittag geht es mit nach langem Schlaf mit meinem kopletten Gepäck nach Jinja.

Ich sitze im voll besetzen Matatu in die Innenstadt von Kampala in der zweiten Reihe, stoße mir Kopf und Knie, gucke raus und denke mir

„Ist ja cool, ich bin in Afrika“


Bei allen weiteren Schritten werde ich von meinen beiden EIRENE Begleitern schön ans Händchen genommen. Erst kaufe ich ein Handy (mit eingebauter Taschenlampe. Sehr nützlich bei Powercuts) und Wasser, dann geht es zum Taxipark.


Das kann man nicht beschreiben, ich neige dazu schon bevor ich damit beginne zu kapitulieren.

Aber einen Versuch ist es wert.


Der Taxipark liegt in einer Senke, einem Tal, einfach dem „tiefsten Punkt“ von Kampala, wi emir schient.

Auf dem Weg zum Taxipark, wie im übrigen Kampala wohl auch, sind die Bürgersteige durch sporadische Bepflasterung holperig, es ragen überall viel zu hohe Bordsteine heraus, dazwischen Pfützen, in denen so ziemlich alles zu schwimmen scheint, was so runterfallen und vermodern kann.

Ich schwitze, denn ich trage den altbewährten Reiserucksack meiner Patentante und eine Umhängetasche, sowie Blasen an den Füßen. Meine Trompete wird zum Glück von Joss, einem Ex EIRENI getragen.

Wir gehen bergab, immer weiter bergab in die Stadt hinein.

Es ist Laut, Dreckig, schwül und Voll.

Auf einmal kann man zwischen zwei Buden auf der Linken Seite den Taxipark für Matatus erkennen. Sie stehen da dicht an dicht in mehreren Reihen hintereinander auf einem großen Platz.


Aber wir gehen weiter, das ist noch nicht das Ziel. Wir suchen den Platz für die Busse. Große Reisebusse. Immer tiefer und tiefer. Smog, Touristenläden, die Häuser ragen höher auf, die Dichte der Menschenmenge, die Wärme, Schwüle, Schwere der Luft, nimmt mit jedem Schritt hinunter zu.


Und dann stehen ich mitten im Buspark.

Die Lautstärke, die Wärme, der Geruch, dieses Gefühl „Mensch“ erreichen seinen Höhepunkt dort, wo die Athmosphäre den klebrigste, dichtesten, tiefsten Punkt zu erreichen Scheint, der in Kampala möglich ist.


10.000 Ush sollen mich aus diesem übervollen Maß an „Mensch“, was über mir zusammenschwappt in einem hoffnungslos überfüllten, scheppernden, Bus in die Heimat für mein enächsten 14 Monat ebringen. Der Preis ist mehr als unverschämt, aber der „Conducter“ unerweichlich.

Mein begleiter feilscht, fragt rum, ich laufe hinterher, dränge mich zwischen Menschen durch, die scheinbar alle wollen, das ich in ihren Bus einsteige.

Dann drückt er mir Geld in die Hand, ich steige in einen Bus ein und sitze.


Vier Stunden später, nach einem wegen zwischenzeitlichem Aufenthalt an einer Polizeistation, nachdem wir einem andern Auto die Sietentür eingeblötscht haben, sehr ausführlichen aber unglaublich informativen Gespräch, steh eich am Roundabout in Njeru, der Stadt, die auf der anderen Nilseite, gegenüber von Jinja liegt.


Ich setze mich auf einen Bordstein und nach etwas Fünf minuten holt mich Jürgen ab. Fleischspieß, ein halbes Nile Special, eine Bodafahrt im Dunklen über den Nil und ich komme an dem Ort an, den ich für die nächsten Monate mein zuhause nennen werde.


Jinja (Djinja)

Muvule Crescent (Mwule Creschnt)

Ecke Waibale Road (Waibaale Rood)


18.2.09 16:25


Vorwort:

Liebe Freunde, Familienmitglieder, Unterstützer und andere sehr geschätzte Leser,

meine erste Woche in Ugand ist herum, und ich finde Zeit wenigstens ein paar einleitende Wort zu kommenden Informationsschwangeren Rundbriefen und Blogeinträgen zu verfassen.

Nur soviel:

Ich habe es sehr gut angetroffen. Das Internet funktioniert. Ich habe ein Handy. Ich habe ein Dach über dem Kopf und mehrere wunderbare Leute, mit denen ich zusammenwohne.

Ich habe erste Arbeitstage, Mahlzeiten, Boda - Boda fahrten und interessante Unterhaltungen hinter mir. Ich war auf dem Markt, bin Bus gefahren, habe Kinder durch die Luft geschleudert, etwas Gitarren"unterricht" gegeben, Alpträume gehabt. Ich bin mit freundlichen, dörflich lebenden, aufdringlichen, interessierten und sehr gläubigen Menschen, sowie mit Armut, Schmutz, tropischem Klima, AIDS, dem alltäglichen Anblick von Waffen, afrikanischem Tanz, einer Menge afrikansicher Musik, sowie Gerüchen aller Art konfrontriert worden.

Und bisher gefällt es mir

SEHR gut!

Ich hoffe einen Rhythmus zu finden, um alle Interessierten auf dem Laufenden zu halten. Am ersten Eintrag mit inhaltlichen Details arbeite ich.

 

Bis dahin, alles Gute aus der Perle von Afrika

Jan

8.2.09 21:24





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